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Krieger- und Soldatenverein Eppenschlag verdoppelt Mitgliederzahl

Der KSV Eppenschlag verdoppelte die Mitgliederzahl von 60 auf 120 im Laufe von zehn
Jahren. Der Altersdurchschnitt sank von 60 auf 45 Jahre. Diesen mehr als beachtlichen Erfolg kann sich  or
allem der ehemalige 1. Vorsitzende, Franz Buchecker, mit seinen Vorstandskameraden auf die Fahne schreiben. Dies war auch der Zeitschrift "Treue Kameraden" einen Bericht wert:

Der Krieger- und Soldatenverein Eppenschlag feierte 2014 sein 100-jähriges Bestehen. (Foto: Sepp Eder)

Die Mitgliederzahlen vieler Vereine schrumpfen, am Ende kann gar dessen Auflösung stehen. Die Gewinnung vor allem jüngerer Mitglieder wird zunehmend schwieriger. Das ist bei den Blasmusikern so, bei den Schützen, in den Sportvereinen, der Feuerwehr und, und, und. Kameradschaften des Bayerischen Soldatenbundes (BSB) machen da keine Ausnahme. Die Gründe sind vielfältig. Sie treffen für die einen Vereine mehr, für andere weniger zu. Soldaten- und Kriegervereine etwa leiden besonders unter der Aussetzung der Wehrpflicht im Jahre 2011. Das einst große Rekrutierungspotenzial für die Vereine schmilzt seither dahin.

Viele BSB-Vereine nahmen und nehmen diese Lage nicht schlicht als gegeben hin. Sie kämpfen vielmehr um jedes neue Mitglied, gleich ob Mann oder Frau, gedient oder ungedient. Wie immer wieder in treue Kameraden zu lesen ist, sind die Bemühungen durchaus auch von Erfolg gekrönt, der ganz große Wurf ist aber eher selten. deutlich. Dazu gehört, im Ort „sichtbar“ zu sein, Flagge zu zeigen! Buchecker ging immer wieder in die Offensive und trat mit Vorstandskameraden und weiteren Vereinsmitgliedern in einer Stärke von rund 20 Personen bei zahlreichen Veranstaltungen im Dorf auf! In Uniform! Denn auch auf das äußere Erscheinungsbild kommt es an! Auch und gerade für junge Leute, wie Manuel Haydn (21) bestätigt: „Uniform gehört dazu, wenn man sich in der Öffentlichkeit zeigt.“

Ein ganz großer Wurf

Von einem „ganz großen Wurf“ war unlängst in der „Passauer Neue Presse“ zu lesen. Am 27. September 2020 berichtete das Blatt unter der Überschrift „Ohne Geselligkeit gibt es keinen Zusammenhalt“ in einem Beitrag über den Führungswechsel beim Krieger- und Soldatenverein (KSV) Eppenschlag über eine Verdopplung der Mitgliederzahl von 60 auf 120 im Laufe von zehn Jahren. Der Altersdurchschnitt sank von 60 auf 45 Jahre. Diesen mehr als beachtlichen Erfolg kann sich vor allem der ehemalige 1. Vorsitzende, Franz Buchecker, mit seinen Vorstandskameraden auf die Fahne schreiben. Wir wollten wissen, wie beim KSV Eppenschlag der „ganz große Wurf“ gelang. Hatte der Vorstand ein Patentrezept? Tricks? War gar Hexenwerk im Spiel? Was motiviert junge Menschen, sich einem Kriegerund Soldatenverein anzuschließen? treueKameraden befragte einige von ihnen. Keiner der jungen Männer war „beim Bund“ – „leider nicht“, wie zu hören war.

Auch junge Menschen finden eine Heimat im Verein

Eins steht fest: Der höchst erfreuliche Mitgliederzuwachs fiel Buchecker und seinen Vorstandskameraden nicht in den Schoß, kam nicht von ungefähr. Er musste erkämpft werden, bedurfte guter Rahmenbedingungen, passender Ideen und deren konsequenter Umsetzung. Man müsse sich als einer von vielen konkurrierenden, häufig deutlich finanzstärkeren Vereinen in einem 1.000-Seelen-Ort etwas einfallen lassen, um zum Erfolg zu kommen, macht Buchecker deutlich. Dazu gehört, im Ort „sichtbar“ zu sein, Flagge zu zeigen! Buchecker ging immer wieder in die Offensive und trat mit Vorstandskameraden und weiteren Vereinsmitgliedern in einer Stärke von rund 20 Personen bei zahlreichen Veranstaltungen im Dorf auf! In Uniform! Denn auch auf das äußere Erscheinungsbild kommt es an! Auch und gerade für junge Leute, wie Manuel Haydn (21) bestätigt: „Uniform gehört dazu, wenn man sich in der Öffentlichkeit zeigt.“ Haydn ist Metzger und wurde als 16-jähriger von KSV-Mitgliedern gefragt, ob er nicht dazu kommen wolle. Er musste nicht lange überlegen, denn der Verein gehört im Dorf einfach dazu. Auch Manuels Großvater war schon KSV-Mitglied, außerdem habe ihn schon seit jeher das Leben im Verein interessiert. Es werde nie langweilig und „der Buchecker kann gut mit Leuten. Es ist immer Gaudi, wenn er dabei ist.“ Geselligkeit und Kameradschaft weiß der junge Mann besonders am Vereinsleben zu schätzen „und das Gedenken an die Toten“, fügt er hinzu.

Auf fruchtbaren Boden fiel das Mitgliederwerben auch bei Kilian Graf (23). Der KSV hatte schon früh sein Interesse gefunden. Grafs Vater Peter ist 2. Vorsitzender des Kriegerund Soldatenvereins und der kleine Kilian durfte bei Umzügen immer das KSV-Taferl tragen, gehörte eigentlich schon damals dazu. Nach den Jahrtags- Umzügen sei man immer im Wirtshaus eingekehrt, erinnert er sich. Die Gemeinschaft gefiel dem Jungen. „Das wär‘ was für mich“, habe er schon damals gedacht. Er musste nicht lange überlegen, als ihn sein Vater und Franz Buchecker vor drei, vier Jahren fragten, ob er KSV-Mitglied werden wolle. Neben dem Gemeinschaftserlebnis ist für den gelernten Elektroniker die Uniform wichtig. „Das ist gleich ein ganz anderes Auftreten. Die Uniform schaut nach was aus. Man identifiziert sich mit dem Verein“, unterstreicht er. Außer im KSV ist Graf bei der Feuerwehr, im Schützenverein und beim Stammtisch aktiv.

Sebastian Ebner (22) war schon bei der Freiwilligen Feuerwehr und im Sportverein Mitglied. Mit 17, 18 Jahren wurde der gelernte Dreher und Fräser von KSV-Mitgliedern auf eine Mitgliedschaft im KSV angesprochen. Klar, ging er auch hier dazu! Im Krieger- und Soldatenverein hat er sich als 2. Fahnenjunker gemeldet. „Warum nicht“, meint er völlig unkompliziert. Auch für Ebner hat der Zusammenhalt im KSV höchste Priorität: „Jeder kennt jeden, man versteht sich!“ Kameradschaft und Gesellschaft hatte Buchecker bereits im Interview mit der PNP beschworen: „Die Leute wollen Unterhaltung und sie wollen keinen Streit und keine Probleme – die haben sie woanders sowieso. Wir leben diesen Zusammenhalt im Verein!“ Geselligkeit sei für ihn der „Kitt des Vereins“.

Neue Mitglieder wollen persönlich angesprochen werden, so wie Tobias Reitberger, ein 21-jähriger Zerspanungsmechaniker, ebenfalls Mitglied im örtlichen Schützenund Sportverein. Vor drei Jahren sprach ihn Peter Graf an, der den KSV mit jungen Aktiven verjüngen wollte. Er musste nicht lange bitten, Reitberger war dabei, „weil ich mich schon immer für den KSV interessierte“. Auch für ihn waren Kameradschaft und Zusammenhalt ausschlaggebend, dem Verein beizutreten. Auch für ihn hat das Gedenken an die Gefallenen hohe Priorität. Er ist aktiv, macht gern bei den Veranstaltungen des Vereins mit – natürlich in Uniform! Denn die gehört für ihn dazu, „ansonsten hätte ich ja auch passives Mitglied werden können“.

Ähnlich verhielt es sich bei dem 27-jährigen Zerspanungsmechaniker Sandro Kraft. Im Zusammenhang mit dem 100-jährigen Vereinsjubiläum 2014 habe ihm der Vater vorgeschlagen, dem KSV beizutreten, „damit der Verein nicht ausstirbt“. Kraft sen. war wie bereits dessen Vater KSV-Mitglied. Obwohl Sandro Kraft in „fast allen“ Vereinen seines Dorfes Mitglied ist, trat er auch in den KSV Eppenschlag ein. Ein Vorstandsamt kam und kommt für ihn vorerst nicht in Frage – bei all den Vereinen sei das einfach zeitlich nicht drin. Allerdings ist er immer zur Stelle, wenn Unterstützung nötig ist. Im KSV werde immer was geboten, erzählt er. Er schätzt die Gemeinschaft und den Zusammenhalt, gerade unter Gleichaltrigen. Auch das einheitliche Auftreten in Uniform schätzt er. Und – ganz wichtig – wie seine Kameraden hält er das Gedenken an die Gefallenen und Verschollenen der Kriege für wichtig. Das dürfe nicht aussterben, es dürfe nie wieder Krieg geben, mahnt er. Sehr anerkennenswert, dass auch für junge Menschen wie Kraft und seine Kameraden heutzutage noch die Pflege der Erinnerungskultur Bedeutung hat.

Wie läuft es weiter in Eppenschlag? „Wir vom Vorstand werden weiterhin aktiv auf junge Kameraden, die uns geeignet erscheinen für den KSV zugehen“, erklärt der neue Vorsitzende Thomas Breit. „Allen voran Peter Graf, der hierfür das gewisse Händchen hat.“ Man werde zudem mehr spezielle Aktivitäten für junge Mitglieder anbieten, etwa am jährlichen Jäger- Goldpokalschießen des Panzergrenadierbataillons 112 (Regen) teilnehmen und Gruppenveranstaltungen wie Tontaubenschießen und Schlauchboottouren organisieren. Bereits im Januar ist (erstmals!) ein Winterbiwak geplant, „falls es uns die Corona- Situation erlaubt“. Und schließlich denkt man über die Aufnahme von Frauen in den Verein nach. Das will man in der nächsten Jahreshauptversammlung zur Sprache bringen. Breit: „Dann werden wir die Resonanz sehen!“

Fazit

Erfolgreiche Mitgliederwerbung ist kein Hexenwerk! Es gibt kein Patentrezept, aber es gibt durchaus Eckpunkte für den Erfolg. Mitgliederwerbung muss offensiv, konsequent und mit hohem persönlichem Einsatz erfolgen. Aber auch der Rahmen muss stimmen! Wenn der Verein sichtbar ist, Flagge zeigt und aktiv am Ortsleben teilnimmt, wenn es in der Familie und im Freundeskreis dazu gehört, dass man natürlich in den Verein eintritt, ist viel gewonnen. Wenn dann der Verein auch noch etwas zu bieten hat, man sich unter Gleichgesinnten wohl fühlt, steigt die Bereitschaft mitzumachen. Dabei genießt die Geselligkeit – zumindest in Eppenschlag – höchste Priorität! Sie sei der „Kitt des Vereins“ hatte ja schon Franz Buchecker festgestellt. Aber auch Uniform und Erinnerungskultur ist den Menschen wichtig! Wenn also dieser Rahmen stimmt, dann fällt das Werben um neue Mitglieder auf fruchtbaren Boden. Der Erfolg gibt den Kameraden in Eppenschlag Recht! Und soll als Anregung für entsprechende Aktivitäten dienen.

aus: Treue Kameraden (06/2020)