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Ortsgschichten: Großmisselberg

Geschichtlich erwähnt wurde die Ortschaft bereits im Halser Salbuch von 1395 Mistlperg 1 Gut. Dieses Gut wurde später auf 7 Höfe aufgeteilt. Großmisselberg war bis 1946 eine eigenständige politische Gemeinde mit den Ortschaften: Kleinmisselberg, Almosenreuth, Weberreuth, Rötz, Habernberg, Kasberg, Hungerberg, Hungermühle, Hohenthan und Kleinarmschlag. Seit 1946 gehört die Ortschaft zur Gemeinde Eppenschlag.

Großmisselberg hatte auch eine 33 Mann starke Feuerwehr, die 1892 gegründet wurde. 1912 erfolgte mit einem großen Fest die feierliche Weihe der Vereinsfahne, welche bis   heute erhalten ist. Patenverein war die Feuerwehr Eppenschlag. 1926 wurde auch noch eine neue Handdruckspritze angeschafft, 1946 verlegte man auch die Feuerwehr nach Eppenschlag.

Heute leben in Misselberg 44 Einwohner und es gibt noch vier landwirtschaftliche Betriebe. Zum Ort gehören auch die vier Anwesen neben der B85 mit dem Gasthaus Reith (Stachlwirt). Dieses war viele Jahre das Vereinslokal vom Stammtisch der „Lindn Buam“, der jedes Jahr ein großartiges Vatertagsfest ausrichtete. Dies war weit über die Gemeindegrenzen hin bekannt und beliebt, nicht nur bei den wandernden Vätern, sondern auch bei Familien und Kindern. Schade, dass es dieses nicht mehr gibt.

In Misselberg gibt es zwei Kapellen. Die alte Holzkapelle, die im 18.Jh. erbaut und 1988 im Rahmen der Dorferneuerung zum Ortsrand in Richtung Holzmühle versetzt wurde. Das Innere der Kapelle ziert ein mächtiges Holzkreuz mit einem gußeisernen Korpus. Die Kapelle in der Dorfmitte wurde 1967 erbaut und ebenfalls während der Dorferneuerung renoviert. Im Jahr 2008 haben die Misselberger wieder Hand angelegt. Innen und außen wurde neu gestrichen, sowie Bodenfliesen verlegt. Zudem hat man einen neuen Kreuzweg in Hinterglasmalerei angeschafft, der aus Spenden der Dorfleute finanziert wurde. In der Kapelle finden regelmäßige Maiandachten, Oktober-Rosenkränze, monatliche Gottesdienste und das alljährliche Erntedankfest statt. Meist ist die Kapelle bis auf den letzten Platz besetzt. Für den Blumenschmuck, die Pflege und Reinigung sind Misselberger Frauen jeweils einen Monat lang im Wechsel zuständig.

Dann gibt es in der Ortschaft noch die „Dorfhalle“: eine große Garage mit Küche und WC, welche seit dem Jahr 2000 für jegliche Veranstaltungen zur Verfügung steht.

Das Dorf vergisst aber auch seine Verstorbenen nicht. Davon zeugt die Gedenkstätte am Ortseingang wo neben den Gefallenen des 1. und 2. Weltkrieges auch Totenbretter der Verstorbenen des Dorfes aufgestellt werden.

Ein besonderes Juwel hat Großmisselberg noch zu bieten. Das 123 Hektar große Naturschutzgebiet, der Mitternacher Ohe. Das wildromantische Flusstal ist Lebensraum für eine artenreiche und schutzwürdige Tier- und Pflanzenwelt. Über den neu angelegten Wanderweg Nr.1 ist es für Naturliebhaber leicht zu erreichen.  

Seinen Höhepunkt erlebte Großmisselberg mit der Teilnahme am Wettbewerb „Unser Dorf soll schöner werden“. Das Dorf wuchs über sich hinaus und lies sich für jede Kommission etwas Neues einfallen, sogar ein Dorflied wurde getextet. 1992 holte es Gold auf Landkreis- und Bezirksebene, 1993 auf Landes- und Bundesebene. Der Wettbewerb selbst, vor allem aber die Verleihung der Goldmedaille 1994 bei der Grünen Woche in Berlin zu der sich fast das ganze Dorf aufmachte war für die Misselberger ein einmaliges Erlebnis. Aus der Hand von Gräfin Sonja Bernadotte und Bundeswirtschaftsminister Jochen Borchert konnten die Dörfler ihre Goldmedaille entgegennehmen. Vor ca. 3500 Gästen aus 12 Bundesländern, einem Heer Presseleuten und Fotografen und viel politischer Prominenz durften die Misselberger als kleinstes teilnehmendes Siegerdorf ihr Brauchtum vom Wolfauslassen und Goaslschnalzen auf der Bühne vorführen. Aufgrund der Berichterstattung in Presse und Medien setzte ein reger Besucherandrang ein, unter anderem kamen auch Gäste aus Japan, um das Golddorf zu besichtigen.  

Brauchtum und Geselligkeit werden in Misselberg großgeschrieben. Dazu gehört das jährliche Maibaumaufstellen. Der Baum wird jedes 2. Jahr von einem Haus oder Hof reihum gestiftet. Zum Kranzbinden treffen sich die Frauen in der Dorfhalle. Am 1. Mai wird der Baum von den Dorfmännern hergerichtet und nach dem Aufstellen wird gemütlich gefeiert. An Pfingsten wird der Brauch des Wasservögelsingens gepflegt. Dazu geht es in wasserfester Kleidung von Haus zu Haus und es werden überlieferte und selbst gedichtete Versal gesungen. Meist wird dafür kräftig mit Wasser gegossen. Die erhaltenen Eier werden im Anschluss daran jedes Jahr in einem anderen Haushalt verzehrt. Auf einer Anhöhe in Richtung Kleinarmschlag wird das aufgeschichtete und mit einer Hexe versehene Sonnwendfeuer abgebrannt. Dazu gibt´s Grillfleisch, mitgebrachte Salate und andere Schmankerl. Sogar die Eppenschlager Feuerwehr ließ es sich nicht nehmen einmal zum „löschen“ an zu rücken.

Im Spätsommer wird der Dorfbackofen angeheizt und es werden Sengzelten gebacken. Sie sind ein Gaumenschmaus für Jung und Alt, weshalb die Dorfstraße sogar für die aufgestellten Bänke und Tische abgesperrt wird. Auch der Kulturverein war schon zu Gast und ließ sich die Köstlichkeiten munden. Beim alljährlichen Erntedank wird die Dorfkapelle mit einem Gabenaltar festlich geschmückt und nach dem Gottesdienst treffen sich alle Teilnehmer zur gemeinsamen Feier in der Dorfhalle. Um Martini ziehen die Wolfauslasser durchs Dorf, dabei werden auch Kinder und junge Leute aus anderen Orten mit einbezogen damit dieser alte Brauch erhalten bleibt.   Mit der traditionellen Weihnachtsfeier, einem anschließenden Rückblick des Geschehens vom ganzen Jahr, Kassenbericht und Entlastung der Vorstandschaft lassen die Misselberger mit einem guten Abendessen, Plätzchen und Punsch das Jahr beim Stachlwirt ausklingen. Für die Organisation der Feste und Veranstaltungen gibt es im Ort einen gewählten Dorfrat, (5 Personen) der sich stets für die Belange des Dorfes einsetzt.

Die Misselberger laden die Leser des Gmoabladl herzlichst zu einem Rundgang im Golddorf ein.