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Ortsgeschichten: Die Gschwendtnermühle

Die Einöde Gschwendtnermühle, ein eigener benannter Ortsteil der Gemeinde Eppenschlag, liegt am Röhrnachmühlbach, der nach seiner Vereinigung mit dem Hungermühlbach ab der Roßschwemm zusammen mit dem Gernbach die Mitternacher Ohe bildet. Altbürgermeister Karl Reith erzählt über die Historie der Hofstelle, Franz Buchecker über Gegenwart und Zukunft.

Ansichtskarte der Gschwendtnermühle aus den 1950/60er Jahren, die für Werbezwecke zur Vermietung von Fremdenzimmern diente.

Wie bereits Max Peindl in der Ortsbeschreibung zu Fürstberg in der Ausgabe Nr. 23 schreibt, war die Mühle einstmals dem Ort Fürstberg zugeordnet. Nach den Ausführungen von Hermann Neumann zur Geschichte des Grafenauer Landes im Buch „Der Landkreis Freyung – Grafenau“ von 1982 wird die Gschwendtner-Mühle 1488 im Bärnsteiner Scharwerksgeldregister noch als „Fiersperg ain Mül“  (Fürstberger Mühle)  bezeichnet, die nach Rammelsberg gehörte. Nach seinen weiteren Ausführungen wird sie 1610 als „Frähetmühl“ bezeichnet und führt bereits 1752 den Namen „Schwendtner Mühl“. Dieser bis heute gebliebene Name ist nach Max Peindl auf einen im 17. Jahr-hundert dort ansässigen Wolfgang Gschwendner  zurückzuführen.

Über viele Jahrhunderte hatten die Mühlen große wirtschaftliche Bedeutung für die umliegenden Orte, wie dies auch in vielen Geschichten, Romanen und Liedern festgehalten ist.  

So dürfte im letzten Jahrhundert in den 1950/60er Jahren die Gschwendtnermühle ihre größte  wirtschaftliche Bedeutung gehabt haben, als neben der Getreidemühle, Landwirtschaft und Forstwirtschaft bewirtschaftet wurden, ein Sägewerk in Betrieb war, die Energie der Wasserkraft  genutzt und bereits Fremdenverkehr betrieben wurde.  Ein großer Fischweiher ergänzte das Ensemble und über viele Jahre wurde eine Mühlenbäckerei betrieben, deren wohlschmeckendes Brot weitum beliebt war.

Nach mündlichen Überlieferungen war bis zum damaligen Zeitpunkt in der Gemeinde die Gschwendtnermühle einer der führenden Betriebe, die auch die ersten „Sommerfrischler“ beherbergte und der „Gschwendner Müllner“ fuhr das erste Automobil in der Gemeinde.    

Aber wie bei so vielen Mühlen landesweit, ging es in den letzten 50 Jahren dann wirtschaftlich bergab. Nach und nach wurden die einzelnen Betriebsarten aufgegeben, Gebäude verkamen, wurden teilweise abgerissen. Es wurde still in und um die so viele Jahrhunderte geschichtsträchtige und rührige Gschwendtnermühle. Mit dem tragischen Unfalltod des zuletzt dort ansässigen Eigentümers Josef Schiller im Jahr 1997 verwaiste die Einöde vorerst total.

Die gesamten Betriebs- u. Wohngebäude, vom Austragshaus (vorne rechts) über die Haupt-, Mühlen- u. Landwirtschaftsgebäude mit Weiher bis hin zum Sägewerk (links).


Sabine Köpf im Gespräch mit Franz Buchecker

Köpf: Wie wird die Gschwendtnermühle in naher Zukunft aussehen?

Buchecker: Nachhaltigkeit steht bei mir an ersten Stelle, daher gilt das Motto „back to the roots“. Es ist nicht ausgeschlossen das ein Urlaub in der Gschwendtnermühle wieder möglich sein wird.

Im Jahre 2010 ging der Besitz der Gschwendtnermühle an Franz Buchecker über. Zunächst wurde das große baufällige Wohnhaus und Mühle saniert. Zugleich wurde der Gschwendtnermühlweiher entschlammt und wird bis dato als Angelteich genutzt. Die sehr stark baufälligen landwirtschaftlichen Gebäude wie z.B. Heulager und Kuhstall waren leider nicht mehr zu retten und wurden daher abgerissen.

Ein Eintrag einer Familie aus Essen im Gästebuch Anfang der 70er Jahre über einen gelungen Urlaub in der Gschwendtnermühle bei Fr. Schiller:

„Mitten aus dem Stadtgewühle
kamen wir zur Gschwendtnermühle
Hier fanden wir, nach Hektik u. Hast,
die lang ersehnte Ruhe u. Rast.

Die schöne Landschaft, das gute Essen
Wir werden die Tage nicht vergessen,
die wir in diesem Hause waren.

Und ehe wir nun heimwärts fahren
Woll`n wir der Wirtin Dank abstatten,
daß wir solch` schönen Urlaub hatten.“