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Vereine stellen sich vor: Pfarrgemeinderat

Im Rahmen der Vorstellung der verschiedenen Vereine soll auch vom Pfarrgemeinderat berichtet werden. Eigentlich ist der Pfarrgemeinderat kein Verein, sondern wie das Wort „Rat“ schon sagt, ein kirchliches Gremium.

Im Gegensatz zum Gemeinderat, der über alle wichtigen Angelegenheiten der politischen Gemeinde beschließt, gibt es auf pfarreilicher Ebene mit der Kirchenverwaltung und dem Pfarrgemeinderat zwei vergleichbare Gremien. Dabei ist die Kirchenverwaltung für das Vermögen der Pfarrei zuständig, während sich der Pfarrgemeinderat um das kirchliche und religiöse Leben in der Pfarrei kümmert. Etwas vereinfacht könnte man sagen: Geld, Finanzen und Vermögen sind in der einen, die religiösen Tätigkeiten dagegen in der anderen Hand. Da aber ohne Geld nicht viel möglich ist, lassen sich die beiden Bereiche in der Praxis nicht immer so klar auseinanderhalten.

Im Gegensatz zur Kirchenverwaltung ist der Pfarrgemeinderat ein Kind der jüngeren Zeit. Seine Leitidee und Struktur wurden nämlich erst beim letzten Konzil (1962-65) geboren. 1968 nahmen in unserer Diözese Passau die Pfarrgemeinderäte nach der ersten Wahl, die am 8. April stattfand, ihre Arbeit auf. Die Würzburger Synode (1971-75) hat ihnen dann die jetzige kirchliche Rechtsgrundlage gegeben, die sich im gesamten deutschen Sprachraum nur geringfügig unterscheidet. Auch wurden damals in den einzelnen Kirchenprovinzen einheitliche Wahltermine festgelegt. Dies hatte im Bistum Passau von 1976-82 eine auf sechs Jahre verlängerte Amtszeit zur Folge. Die derzeitige Amtsperiode des Pfarrgemeinderates (2018-22) ist die 13. seit seiner „Gründung“.

Bei uns ist dazu Genaueres in der „Satzung der Pfarrgemeinderäte in der Diözese Passau“ und in der „Wahlordnung für Pfarrgemeinderäte“ geregelt. Die Aufgabe des Pfarrgemeinderates ist es, „in allen Bereichen der Pfarrgemeinde beratend bzw. beschließend mitzuwirken, ebenso für die Einheit in der Pfarrgemeinde sowie mit dem Bischof und der Weltkirche Sorge zu tragen.“ Ungeachtet dessen ist die inhaltliche Ausrichtung des Pfarrgemeinderates stark von der Pfarreigröße und den örtlichen Gegebenheiten abhängig. Nicht unbedeutend ist in diesem Zusammenhang, dass in Eppenschlag die territoriale Ausdehnung der Pfarrei nicht mit den Grenzen der Kommune übereinstimmt.   

Der Pfarrgemeinderat setzt sich aus gewählten, amtlichen und berufenen Mitgliedern zusammen. Er ist je nach Katholikenzahl unterschiedlich groß.  Gewählt werden in Pfarreien bis zu 1.000 Katholiken 6 Mitglieder. Die Pfarrei Eppenschlag hat derzeit rund 700 Mitglieder mit Hauptwohnsitz auf dem Gebiet der Pfarrei. Als amtliche Mitglieder kommen neben dem Pfarrer weitere pastorale Mitarbeiter*innen bzw. hauptamtlich Angestellte in Frage. Hinzuberufen werden in der Regel Vertreter*innen bestimmter Gruppierungen, aber auch Personen mit besonderen Kenntnissen bzw. Fähigkeiten. Die Höchstzahl für solche Berufungen beträgt in Pfarreien bis 1.000 Katholiken 3.  Ständig beratendes Mitglied ist ein/e Vertreter*in der Kirchenverwaltung. Weitere beratende Mitglieder können dauerhaft oder fallweise hinzugezogen werden. Der Pfarrgemeinderat vertritt sich im Dekanatsrat.

Wahlberechtigt sind nach derzeitigem Stand alle Pfarreimitglieder ab dem 14. Lebensjahr, wählbar sind alle Pfarreimitglieder ab dem 16. Lebensjahr. Die Amtszeit beträgt vier Jahre und dauert bis zur Konstituierung des neuen Pfarrgemeinderates. Die nächste Pfarrgemeinderatswahl für die Amtszeit 2022-26 findet bereits im Frühjahr 2022 statt. Für die Vorbereitung und Durchführung der Wahl richtet der Pfarrgemeinderat einen Wahlausschuss ein. Der Pfarrgemeinderat Eppenschlag tagt in der Regel alle zwei Monate. Die Sitzungen sind öffentlich. Auf Grund der Corona-Beschränkungen waren Präsenzsitzungen des Pfarrgemeinderates über lange Zeit hin nicht möglich. Sie dürfen erst seit kurzem unter Beachtung der geltenden Hygienevorschriften wieder durchgeführt werden.    

Der Pfarrgemeinderat wählt eine Vorstandschaft, die aus dem/der Vorsitzenden, ein oder zwei Stellvertretern*innen, einem/r Schriftführer*in sowie dem Pfarrer besteht. Zur Erledigung seiner Aufgaben kann der Pfarrgemeinderat Ausschüsse und Arbeitsgruppen einrichten.

In den 54 Jahren seit seinem Bestehen hatte der Pfarrgemeinderat Eppenschlag lediglich drei Vorsitzende: die ersten 30 Jahre von 1968-98 Peter Slesiona, der anschließend aufgrund seiner Verdienste zum Ehrenvorsitzenden ernannt wurde, von 1998-2010 Max Karger und seit 2010 Max Peindl.

Dem derzeitigen Pfarrgemeinderat gehören als gewählte Mitglieder an: der Vorsitzende Max Peindl, die erste Stellvertreterin Monika Bauer, der zweite Stellvertreter Stefan Denk, die Schriftführerin Marianne Schropp sowie Beate Breit und Roswitha Maier. Amtliche Mitglieder sind Pfarrer Michael Bauer und Pfarrvikar Antony Kurisingal. Hinzuberufene Mitglieder sind Herbert Augustin und eine Vertretung des Kindergartens Eppenschlag. Die Kirchenverwaltung wird beratend vertreten von Helga Stadler.

Zu den Arbeitsschwerpunkten des Eppenschlager Pfarrgemeinderates zählen insbesondere der Besuchsdienst bei längerfristig Kranken, Zugezogenen, Taufen und kirchlichen Trauungen, die Vorbereitung und Organisation kirchlicher Feste und Feiern (wie etwa Erntedank, Frühstück beim Frühkreuzweg, Pfarrfest, Mithilfe beim Ordnungsdienst und dergleichen), ein regelmäßiger Austausch über kirchliche Belange von der Orts- bis zur Weltebene sowie verschiedene Vertretungsaufgaben.

In einer Zeit, in der man fast versucht ist, vom Aussterben des Priestertums zu sprechen, in der auch die anderen pastoralen Berufsgruppen immer kleiner werden und die Zahl der Kirchenmitglieder von Jahr zu Jahr erschreckend abnimmt, steht vor allem die westliche Kirche vor den größten Umbrüchen seit der Reformation. Wenn die Pfarreien sich in ihrer jetzigen Selb- und Eigenständigkeit halten können, werden die Pfarrgemeinderäte in Zukunft das entscheidende Gremium auf örtlicher Ebene sein. Denn der Spielraum der Kirchenverwaltungen wird wegen der Finanzknappheit zunehmend eingeschränkt. Trotzdem muss kirchliches und religiöses Leben auch weiterhin irgendwie geplant, organisiert und gestaltet werden. Dies aber ist auch heute schon vorrangige Aufgabe des Pfarrgemeinderates. Unterstützen Sie diesen deshalb auch zukünftig nach Kräften oder arbeiten sie besser noch selber in ihm mit, wenn Ihnen kirchliches Leben auch zukünftig wichtig ist. Denn von selbst geschieht gar nichts. Die Vorbereitungen für die nächste Pfarrgemeinderatswahl laufen schon im Herbst an. Text/Foto: Michael Bauer