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Barrierefreiheit als Chance zur Umnutzung von Leerstand

Zu einem Info-Abend mit Begehung vor Ort zum Thema „Barrierefreies Bauen im privaten Bereich und im öffentlichen Raum“ luden die Handlungsfelder Innenentwicklung und Senioren des Ilzer Land e.V. am vergangenen Mittwoch nach Perlesreut ein.

Für den Abend aus der Reihe „Zukunft Ortskern“ kamen kommunale Senioren- und Behindertenbeauftragte sowie Fachplaner aus der Region zusammen.  Vor den Fach-Vorträgen bot Bürgermeister Manfred Eibl eine Vor-Ort-Begehung an, an der auch die Referenten teilnahmen. Er führte die interessierten Teilnehmer über den Marktplatz Richtung Kirche zum Busbahnhof und zurück in die Bauhütte, wobei er die Änderungen hinsichtlich der Barrierefreiheit im Zuge der Marktplatzsanierung und der Bauhütte erläuterte wie beispielsweise das Schaffen von barrierefreien Zugängen bei Geschäften über Rampen oder in der Bauhütte über den Innenhof und den Aufzug, die Auswahl von barrierefreien Belägen oder das Anbringen von Handläufen an Treppenaufgängen. Er wies dabei auch auf mancherlei Schwierigkeiten bei der Umsetzung hin und gab zu, dass nicht alles zur vollsten Zufriedenheit gelöst werden konnte.

Der anschließende Hauptvortrag von Architekt Markus Donhauser aus Regensburg befasste sich dann mit dem Barrierefreien Bauen im privaten Bereich bei Neubauten, aber insbesondere auch beim Umbau oder der Sanierung. Als beratender Architekt für Barrierefreihet ist er im Auftrag der Bayerischen Architektenkammer  für Niederbayern der Ansprechpartner für alle, die eine fachliche Beratung zum barrierefreien Bauen benötigen. Dazu hält er jeden ersten Donnerstag im Monat von 14.30 – 16.30 im LRA Deggendorf Sprechstunden ab.

Zum Einstieg seines Vortrags hob er die Verknüpfung zwischen Innenentwicklung und barrierefreiem Bauen hervor. „Oft gibt es im ländlichen Bereich keinen barrierefreien Wohnraum“, betonte er. „Barrierefreiheit könnte aber als Chance zur Umnutzung von Leerständen – gerade im Ortskern – gesehen werden“, so sein Hinweis. Das Schaffen von barrierefreiem Wohnraum könnte also mit der Beseitigung von Leerstand einhergehen. Das hatten auch die Verantwortlichen der beiden Handlungsfelder Innenentwicklung und Senioren & Menschen mit Handicap des Ilzer Land e.V. bereits so gesehen und daher den Abend gemeinsam organisiert.

Als häufigste Probleme im Bereich Barrierefreies Wohnen führte Architekt Donhauser zu geringe Türbreiten, mangelnde Ausstattung von Bädern und Toiletten, rutschige Bodenbeläge sowie Treppen oder Schwellen im Haus an. Dazu kommen außerdem oft unüberwindbare Stufen oder Treppen am Hauseingang, fehlende Außenbeleuchtung oder Überdachungen. Die vielfältigen Anforderungen an barrierefreies Bauen erörterte er anschließend anschaulich anhand ausgesuchter Beispiele mit Vorher-Nachher-Vergleichen von Objekten. Auch informierte er über die wichtigsten DIN-Richtlinien und die Fördermöglichkeiten, z.B. nach dem Bayerischen Wohnungsbauprogramm, bei dem ein Zuschuss bis zu 10.000 Euro gewährt werden kann, wenn die Voraussetzungen vorliegen.
Ergänzend führte er das Ergebnis einer Befragung von Senioren zu Schwierigkeiten, die ihnen im öffentlichen Raum begegneten, an. Die Befragten nannten unebene Beläge, fehlende öffentliche Toiletten und Ruhemöglichkeiten sowie zu enge und oft zugeparkte Gehsteige als die häufigsten Probleme, wenn sie im öffentlichen Raum unterwegs sind.   

Seine Kollegin, Architektin Christine Engel aus Grafenau, stieg dann im zweiten Vortragsteil intensiver auf die Anforderungen an Barrierefreiheit im öffentlichen Raum ein. Dazu erläuterte sie anhand einiger konkreter Beispiel der Stadt Grafenau, die Veränderungen, die seit dem Abschluss des dortigen Modellprojekts zur Barrierefreiheit bereits umgesetzt werden. Beispielsweise führte sie das Thema Beschilderung an. Für ortsunkundige Besucher müsse erkennbar sein, wo und wie öffentliche Gebäude barrierefrei zugänglich sind, so ihr klares Statement. Demnach wurde in Grafenau der barrierefreie Zugang zum Rathaus durch eine entsprechende Beschilderung kenntlich gemacht.

Außerdem wurde der Behindertenparkplatz am unteren Stadtberg wegen des zu starken Gefälles und der mangelnden Bewegungsfreiheit um ein paar Meter verlegt. Des Weiteren würden an Fahrbahnquerungen derzeit taktile Hilfen und Kontrastflächen angebracht, um auch Seh-Behinderten die fehlende Orientierung zu geben. Das größte Projekt in Grafenau jedoch müsse erst noch umgesetzt werden: Der barrierefreie Umbau der Freyunger Straße. Dies wurde erst kürzlich im Stadtrat behandelt.

Mit einer kurzen Fragerunde beschloss man den fachlich intensiven und informativen Abend.