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Vereine stellen sich vor: Die Freiwillige Feuerwehr Eppenschlag

„Hiermit wird beglaubigt, dass die Freiwillige Feuerwehr Eppenschlag am 25. März 1877 gegründet wurde“, so lautet der Text auf der Urkunde des Landesfeuerwehrverbandes Bayern und bestätigt die Gründung als elfte Freiwillige Feuerwehr im Königlichen Bezirksamt Grafenau.

Altes und aktuelles Fahrzeug einträchtig nebeneinander

Eine der ersten Löschgruppen im Grafenauer LAnd waren 1962 Eppenschläger Feuerwehrmänner

Feuerwehrhaus (erbaut 1878-79)

Handdruckspritze aus 1902

Übergabe des ersten feuerwehrautos Ford Transit FK1250 im Jahr 1963

Ein Blick in das Innenleben des neuen Löschfahrzeuges

Aufgrund eines großen Feuersturms im Jahr 1833, dem das ganze Dorf Eppenschlag mit 27 Häusern samt der neuen Dorfkapelle und dem Brauhaus zum Opfer fiel, hielt sich das Gespenst der Angst vor neuen Brandkatastrophen lange in den Eppenschlagern wach. Davon zeugt die Feuerlösch-Ordnung von 1872, bei dem jeder Hausbesitzer verpflichtet wurde „sich einen ledernen oder hänfenen Feuereimer anzuschaffen, denselben in einem brauchbaren Zustande aufzubewahren und eine gute Laterne zu halten“. Brandschutz wurde in Eppenschlag schon vor der offiziellen Gründung der Feuerwehr großgeschrieben. Bereits im Jahr 1876 wurde eine „vierräderige Saugpumpe“ angeschafft.

Die Männer der ersten Stunde, quasi die Gründungsmitglieder, waren ein kleines Häuflein. Es lassen sich rückwirkend vier Namen erschließen, Josef Kraft, Müller in Marbach; Karl Resch, Maurer in Eppenschlag, Michael Schrönghammer, Bauer und Wagner in Marbach und Franz Schneider, Bauer in Marbach.

Sicherlich nicht ganz uneigennützig fand die Gründungsversammlung im „Bräuhause zu Eppenschlag“ statt, dessen Bierbrauer und Gastwirt Anton Rechenmacher ein Motor der Gründung war. Auch der 1878 vergrößerte „Bräuweiher“ diente nicht nur dem Brandschutz sondern auch dem Bräu. Im selben Jahr noch wurden von Bezirksbautechniker Weber Pläne für Rametnach und Eppenschlag für „mit Blockhölzern gezimmerte Wasser- Reserven“ erstellt, die auch im 21. Jahrhundert noch architektonischen Respekt einfordern.

Längere Zeit blieb die Zahl der Freiwilligen recht klein, erst ein Erlass des Königlich Bayerischen Staatsministeriums zu Beginn der 1880er Jahre, bei dem eine Gemeinde zu einer Pflichtfeuerwehr „verdonnert“ wurde, wenn die Anzahl der Freiwilligen nicht in der Lage sei den Brandschutz zu gewährleisten, schuf spürbare Abhilfe. Es gab also damals bereits die Trennung von Pflicht-(Berufs) und Freiwilliger Feuerwehr.

Im Jahr 1889 wurde schließlich die Nachbarfeuerwehr Großmisselberg gegründet, und die trat vom Tag ihrer Gründung an selbstbewusst und kraftvoll mit 33 Mitgliedern in die gemeindliche Feuerwehrgeschichte ein. Durch den politischen Neuanfang 1945 wurde die Gemeinde Großmisselberg aufgeteilt. Die Ortschaften Großmisselberg, Kleinarmschlag, Hungerberg, Hohenthan und Hungermühle kamen zur Gemeinde Eppenschlag. Da die Fahne aus dem Jahr 1912 der Großmisselberger Feuerwehr in Kleinmisselberg aufbewahrt wurde, wurde diese von der Schönberger Marktgemeinde und Feuerwehr „einkassiert“. Viele Bemühungen, die Fahne nach Eppenschlag zurück zu holen, auch die von Feuerwehrurgestein Michael Maier aus Rametnach, blieben Jahrzehnte erfolglos. Der Beharrlichkeit und dem Verhandlungsgeschick unseres damaligen ersten Kommandanten Walter Molz ist es zu verdanken, dass am 25. Juli 1999 die Fahne nach Eppenschlag zurückkehrte. Bedingung der Schönberger war aber, dass die Fahne zu Fuß nach Eppenschlag gebracht wurde. Mit Walter Molz an der Spitze und einigen Rasten, notwendig aufgrund der brütenden Hitze an diesem Tag, kam die Fahne am späten Nachmittag am Gerätehaus an, wo sie jetzt im Treppenaufgang dank unserem Kameraden Manfred Käser einen würdigen Platz in einer Holz-Glasvitrine gefunden hat. Die Eppenschlager Originalfahne hat den großen Brand während des Krieges nicht überstanden, aber bereits 1951 wurde eine neue angeschafft und mit einer Fahnenweihe gebührend gefeiert – ebenso im Jahr 1987 als erneut eine neue Fahne eingeweiht wurde.

Aber nun zurück zum Werdegang unserer Feuerwehr. Die Unzufriedenheit mit der „vierräderigen Saugpumpe“ führte zur Erkenntnis, dass eine neue Feuerwehrspritze hermusste. Bereits im Jahr 1902 konnte eine neue Feuerspritze der Fa. Braun- Nürnberg übergeben werden. Viele unserer Gemeindebürger kennen diese Spritze – ja genau – es ist die Spritze, die wir alljährlich beim Pfingsfesteinzug mit Stolz vorzeigen dürfen und die nach wie vor voll funktionsfähig ist. An dieser Stelle ein ehrendes Gedenken an Max Schiller aus Marbach, der diese Spritze gepflegt hat wie seinen Augapfel.

Im Jahr 1932 wurde die erste Motorspritze angeschafft - bis zu heutigen Tag drei weitere – aktuell setzen wir eine TS8/8 von Magirus ein.

Das erste „Feuer Requisiten Gebäude“ – unser erstes Feuerwehrhaus also – wurde in den Jahren 1878/79 auf dem Eppenschlager Dorfanger errichtet. Dieses Haus musste im Jahr 1935 dem Straßenbau weichen, es war bereits in einem erbärmlichen Zustand, die wirtschaftliche Lage schlecht und als schließlich die Kriegswirren dazukamen, war 17 Jahre lang überhaupt kein Feuerwehrhaus vorhanden. Mit dem Bau des „Haus der Bäuerin“ im Jahr 1952 hatten die Feuerwehrgerätschaften im Kellergeschoss zusammen mit dem markanten Schlauchturm wieder ein ordentliches Zuhause. In den Jahren 1973/74 wurde dann das heutige Feuerwehrhaus gebaut und zwar mit ordentlicher Weitsicht des damaligen Bürgermeisters Alfred Mayer und seinen Gemeinderäten, da auch heute unser großes HLF20 und das Mehrzweckfahrzeug noch ausreichend Platz haben, was in vielen anderen Gemeinden nicht mehr der Fall ist.

Aus mündlicher Überlieferung unseres ehemaligen Schriftführers und Gemeindeschreibers Roth Xaver ist bekannt, dass die Regierung von Niederbayern mit der Größe des damaligen Baus so gar nicht recht einverstanden war. So erzählte uns Roth Xaver bei einer Geburtstagsfeier über den entscheidenden Besuch bei der Regierung: „Das Feuerwehrhaus wird aber schon recht groß“ so der Regierungsbeamte – worauf Bürgermeister Alfred Mayer antwortete: „Ihr baut so wie ihr wollt und wir so groß wie wir wollen“. Daraufhin so Xaver Roth „wurden wir zur Tür hinausbefördert – aber wir sind einfach bei der nächsten Tür wieder reingegangen – bis die Genehmigung erreicht war“. So einfach wenn es heutzutage auch noch wäre.

Die mit wichtigste Einrichtung der Feuerwehr waren und sind nach wie vor die Fahrzeuge. Mussten die alten Spritzen der ersten Jahrzehnte noch mit Pferdefuhrwerken oder privaten Traktoren und Unimogs zum Einsatz- oder Übungsort transportiert werden, wurde 1963 das erste Tragkraftspritzenfahrzeug, ein Ford Transit FK 1250 angeschafft. 1975 folgte dann der Ankauf eines Löschgruppenfahrzeugs (LF8) der mittlerweile legendäre Opel Blitz und 1980 das erste Mehrzweckfahrzeug. Der Opel Blitz wurde schließlich im Jahr 1985 an die Freiwillige Feuerwehr Ruppertskirchen verkauft und war dort bis vor wenigen Jahren noch im Einsatz. Die durch den Fahrzeugverkauf entstandene Freundschaft hält bis heute an und wird mit gegenseitigen Besuchen aufrechterhalten, wobei der Oldtimer immer mit dabei ist. Das erste „richtig große Feuerwehrauto“ wurde 1985 mit dem LF 16 von Iveco-Magirus angeschafft, das bis 2016 treuen Dienst verrichtete. Durch zahlreiche Anschaffungen und Aufrüstungen, angefangen von den Hebekissen, über den Rettungsspreizer/-schere bis hin zu den Rettungszylindern wurde aus dem Löschgruppenfahrzeug im Prinzip schon ein Hilfeleistungslöschgruppenfahrzeug (HLF), was unsere Einsatzlage einfach erforderte. Bei nahezu allen größeren Anschaffungen steuerte die Feuerwehr 50% der Kosten bei, die ansonsten die Gemeinde zu tragen gehabt hätte. Im Jahr 2006 stand schließlich der Austausch des Mehrzweckfahrzeuges an. Auch hier steuerte die Feuerwehr einen Kostenanteil von 30.000€ bei.

Das Highlight in der Geschichte der Feuerwehr war aber die Beschaffung des HLF20 von Magirus auf einem MAN-Fahrgestell. Nahezu 3 Jahre beschäftigte sich ein internes Projektteam, angeführt von unserem umtriebigen Kommandanten Christian Molz, mit Besichtigungen, Probefahrten und Vorführungen. Richtig ans Eingemachte ging es dann nach der Genehmigung der Anschaffung durch den Gemeinderat am 26.05.2014. Zum Ziel gesetzt hatte sich das Team die komplette eigene Planung des Fahrzeugs mit Aufbau und Ausrüstung und der notwendigen EU-weiten Ausschreibung. Der Lohn war schließlich, dass das Fahrzeug auch in der Praxis den angedachten Anforderungen voll entspricht und auch der tolle Empfang am Feuerwehrhaus mit dem neuen Fahrzeug am 09. September 2016 sowie die Fahrzeugweihe im Mai 2017 mit der Eppenschlager Bevölkerung. Stolz ist die Feuerwehr auf den geleisteten Anteil von knapp 98.000€, aber dieses Auto ist es wert.

Möglich waren, und sind es hoffentlich auch in Zukunft, so hohe finanzielle Beteiligungen unter anderem durch die Einnahmen beim Eppenschlager Pfingstfest. Dank an dieser Stelle unserem Partnerverein dem WSV Eppenschlag und allen Helfern – hoffentlich auch nach Corona. Herzlichen Dank auch an Altbürgermeister Karl Reith mit seinen Gemeinderäten/-innen für die Unterstützung vor allem in den Anfangsjahren des Pfingstfestes.

„Eisiger Nordwind blies und das Thermometer zeigte 12 Grad unter NULL, als sich eine Löschgruppe der Eppenschlager Freiwilligen Feuerwehr der Abnahme des Leistungsabzeichens stellte“, berichtete der Grafenauer Anzeiger am 09. Januar 1962. Dieses Leistungsabzeichen kann mit Recht als Startschuss für die bis heute gute und mit großem Eifer erfolgende Ausbildung unserer Mannschaft bezeichnet werden.

Unsere Feuerwehr verfügt neben modernen Rettungs- und Löschgeräten über eine gut ausgebildete und motivierte aktive Mannschaft und Jugendgruppe. Zahlreiche Lehrgänge, die in den letzten Jahren ausgiebig besucht und mit Erfolg abgeschlossen wurden tragen zum guten Ausbildungsstand bei, sei es im Atemschutz, bei den Maschinisten und Fahrern bis zu Lehrgängen für die technische Hilfeleistung. Über viele Jahrzehnte haben sich viele Mitglieder und Führungskräfte verdientermaßen Ehre und Respekt erworben, seien es Kommandanten, Vorstände, Fahnenmütter, Fachwarte oder Aktive. Sie alle aufzuzählen würde den Rahmen dieses Beitrags sprengen. Stellvertretend aber sollen zwei Personen genannt sein, die maßgeblich die Geschichte der Feuerwehr mitgeschrieben haben. In über 66 Dienstjahren Michael Maier aus Rametnach, der Kommandant, Kreisbrandmeister und 1. Vorsitzender war und zu seinem 80. Geb. vom damaligen Vorstand Karl-Heinz Fraas mit dem „Feuerwehr-Oskar“ ausgezeichnet wurde, sowie Michael Fleck aus Eppenschlag, langjähriger Kommandant, heutiger Ehrenkommandant ehemaliger Kreisbrandmeister, Kreisbrandinspektor und heute Ehreninspektor und Ehrenmitglied unserer Feuerwehr. Er legte in den 80er Jahren den Grundstein für den guten Personalstand der hoffentlich auch weiter so bleibt.

Neben den feuerwehrtechnischen Anforderungen leisten wir auch maßgeblichen Anteil am gesellschaftlichen Leben in unserer Gemeinde, allen voran natürlich mit dem bereits erwähnten Pfingstfest, dem Sonnwendfeuer, Nikolausmarkt und der Christbaumversteigerung und einigen internen Veranstaltungen. Hierbei können wir uns immer auf die Unterstützung unserer Fahnenmutter Michaela Weber, aller Vorstands- und vielen weiteren Mitgliedern verlassen – und wenn notwendig steht uns unser Patenverein aus Kirchdorf i. Wald zur Seite.

Zum Zeitpunkt der diesjährigen Jahreshauptversammlung im März verrichten 64 Aktive Männer und Frauen sowie 17 Jugendliche ihren Dienst in der Feuerwehr.

Aktuelle Kommandantur und Vorstandschaft:

Erster Kommandant: Christian Molz
stv. Kommandanten: Max Peindl, Martin Tanzer
Erster Vorsitzender: Robert Maier
Zweiter: Stefan Denk ,
Schriftführerin und Fahnenmutter: Michaela Weber
Beisitzer: Thomas Reith, Patrick Wagner, Karl Baumann, Michael Perl 

Unser Appell für die Zukunft - Wir hoffen inständig, dass das Interesse aufgrund der Corona bedingten Einschränkungen nicht zu stark nachlässt und wir zusammen gestärkt aus der Krise herausgehen – die eigentliche Power und Kraft war und soll unser großes tolles Team bleiben. (mr)

Hinweis: Teile des Textes, insbesondere aus der Vorkriegszeit wurden zitiert aus dem Artikel von Peter Slesiona, abgedruckt in Festschrift zum 125-jährigen Gründungsfest 2002.