Hungerberg

Wo der Ortsname „Hungerberg“ herkommt, kann man nicht genau bestimmen. Es wird erzählt, dass die damaligen Soldaten/Bewohner über den sogenannten „Türken Berg“ gekommen sind und danach ausgehungert waren. Vielleicht heißt unser Dorf deswegen „Hungerberg“.

1808 wurde Hungerberg als Steuerdistrikt aufgelistet. Die Orte Hungerberg, Augrub, Kasberg, Habernberg, Rötz und Weberreuth gehörten dazu. Im Jahr 1813 gab es eine Auflistung des Landgericht Grafenau in dem verzeichnet war, dass Hungerberg 45 Häuser, 81 Familien, 365 Seelen hat. Als Bemerkung war verzeichnet: Steuerdistrikt Hungerberg und Sektion Großmistlberg.

1821 wurde von der Regierung die Weisung erteilt, die Gemeindebezirke mit den Pfarrsprengeln in Übereinstimmung zu bringen. Das Landgericht Grafenau fand diese Vorschriften aber für die Verhältnisse im Landgerichtsbezirk nicht geeignet. Es argumentierte, dass so viele auswärtige Pfarreien mit ihren Sprengeln in das Landgericht hereinreichten, dass aus diesem Grunde schon keine Koinzidenz erreicht werden könnte. Die Revision der Gemeindebildung wurde vielmehr rein pragmatisch vorgenommen. Deshalb löste man die kleinen und daher entbehrlichen Gemeinden Heimbrechtsreuth und Hungerberg auf und verteilte die zugehörigen Orte auf die umliegenden Gemeinden. Der Ort Augrub kam zu Kreuzberg und Hungerberg gehörte bis 1945 zur Gemeinde Großmisselberg. Am 1.1.1946 wurde die Gemeinde Großmisselberg aufgelöst und die Ortsfluren Großmisselberg, Hohenthan, Hungerberg, Hungermühle und Kleinarmschlag in die Gemeinde Eppenschlag eingegliedert.

Zur Hungerberger Kapelle: Der Buchbinder Rohrmüller fertigte 1904 einen Kreuzweg an. Der Kapuzinerpater Irenaeus Döll hat den Kreuzweg feierlich geweiht. Dieser befand sich, bevor er in der Hungerberger Holzkapelle aufgehängt wurde, bis ca 1914 in der Pfarrkirche St. Katharina in Eppenschlag. 1953/54 wurde die Kapelle massiv erbaut. Auf dem Altar befindet sich ein Flügelbild „Madonna auf der Bärenwiese“. Das Bild wurde 1989 von Günther Schulze, der nach 1945 Aufnahme in Hungerberg fand, gemalt und den Bewohnern in Dankbarkeit gewidmet. Die Beschreibung des Bildes: „Maria und das Kind haben Rast gefunden auf einem jener Steine… wie sie früher auf der Bärenwiese gewachsen sind. Zu Füßen der Madonna blühen die Blumen des Waldes. Lusen und Rachel bilden die Grenze zwischen Erde und Himmel. Das Christuskind hält einen großen knospenden Apfelzweig in seinen Händen. Er ist das Zeichen der Hoffnung und des Glaubens, denn wenn wir wüßten, dass morgen die Welt vergeht, würden wir heute noch einen Apfelbaum pflanzen, damit die Liebe bleibt. Möge jedem, der hier betet, Erfüllung werden, doch soll auch die Bitte sein, dass die Nachkommenden ihr Leben finden, denn Gott gab uns nur diese eine Erde!

Im Juni 2011 entschloss man sich die alte baufällige Kapelle abzureißen und eine neue Kapelle zu errichten. Bei den Abrissarbeiten kam ein alter Becher, der ins Mauerwerk eingearbeitet war, zum Vorschein. Darin befand sich ein altes Schriftstück. Leider schon etwas zerfallen, nur wenige Worte konnten noch entziffert werden. Im Grunde wurde darauf festgehalten, wer 1953 am damaligen Neubau der Kapelle beteiligt war.

In Hungerberg befindet sich auch noch drei sogenannte Nischenheilige. Die Auswahl, Größe oder materieller Wert der Heiligenfiguren signalisierten den Glauben, aber auch den sozialen Status der Hauseigentümer. Religiöser Hintergrund ist der Gedanke, das eigene Haus unter den Schutz eines bestimmten Heiligen zu stellen und diese Auswahl auch öffentlich zu machen. Bei Familie Max Loibl befindet sich eine böhmische Madonna mit Krone, Szepter und Jesuskind. Bei Familie Michael Haydn ist eine Herz-Mariä-Figur und eine Mutter-Gottes-Figur zu finden.

Im Jahr 2008 gründeten die Hungerberger eine Dorfgemeinschaft. So beschloss man kurzerhand, es soll wieder ein Maibaum aufgestellt werden. Der erste Maibaum wurde wie früher mit einer Baumsäge gefällt. Kränze und Girlanden wurden mühevoll gebunden - Fähnchen wurden genäht. Die Tradition des Maibaumaufstellen wurde fortan wieder gepflegt.

Der höchste Punkt von Hungerberg ist der sogenannte „Mühlberg“. Dieser wurde im Jahr 2013 Mit einem Gipfelkreuz verschönert. Außerdem befinden sich aus Holz geschnitzte Tiere drumherum.

Auch das Wolfauslassen wurde wieder eingeführt. So schallen vor Martini die Glocken im ganzen Dorf und schrecken so wilde Tiere ab.

Text/Foto Regina Breit
Quellenangabe:
Historischer Atlas von Bayern- Franziska Jungmann Stadler
90 Jahre Gotteshaus – Peter Slesiona